Pessoa – Baron von Teive

von oscar

Ich lege meine Feder nieder, ohne sie niederzulegen und sehe durch das zum nächtlichen Feld hin offene Fenster, wie der Schein des runden, hohen Mondes eine neue Sicht der Dinge sichtbar macht. Wie oft begleitet mich ein solcher Blick durch meine endlosen Meditationen, meine ziellosen Träume und Worte.

Ich empfinde mein Herz wie ein anorganisches Gewicht.

In ihrem schwarzen Schweigen zeichnen die reglosen Morgenröten sich ab, als gäbe es eine Wahrheit.

Eine rationale Lebensführung ist unmöglich. Der Verstand gibt keine Regeln vor. Und so habe ich begriffen, was sich vielleicht hinter dem Mythos vom Sündenfall verbirgt. Der fürchterliche und tatsächliche Sinn jener Versuchung, der Adam erlag, als er vomn sogenannten Baum der Erkentniss aß, traf das Auge meiner Seele, wie ein Blitz das Auge eines Körpers treffen kann.
Seit es Verstand gibt, ist alles Leben unmöglich.

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