Wikileaks – mehr Schein als Sein?

von oscar

Ihr werdet, sofern ihr noch überhaupt Fernsehen schaut ja mittlerweile mitbekommen haben, dass Wikileaks Depeschen der US Administration veröffentlicht hat. Und wie das schon die letzten beiden Male war, finden sich immer irgendwelche Gehirnakrobaten, die einem erzählen wollen, dass solche Veröffentlichung zu Angriffen auf Soldaten und andere Offiziele führen werden. Die Vergangenheit zeigt jedoch ein anderes Bild.
Angriffe wurden natürlich geführt, jedoch aus anderen Gründen. Zum Beispiel weil die Amis mit ihren Verbündeten im Irak und Afghanistan illegitime Kriege führen. 90% der Afghanen weiß laut einer Befragung noch nicht einmal, weswegen es eigentlich einen Krieg in ihrem Land gibt und haben bisher auch nichts über den 11. September gehört – Orwell lässt grüßen.

Ich muss auch ehrlich eingestehen, dass ich mir bis vor kurzem, wo ich mich mit einem Freund auf einen Tee getroffen habe, nicht kritisch genug mit der Veröffentlichung auseinandergesetzt habe. Es gibt nach meinem jetzigen Befinden einige Unstimmigkeiten in Bezug auf Wikileaks. Aber Zunächst liste ich einige prägnante Meldungen auf, welche neben solchen, wie „Westerwelle ist ein Idiot“ und „Merkel ist wie Teflon“ untergegangen sind.

Der Gedanke, dass die Veröffentlichung der Depeschen den Staaten wirklich Schaden zufügt bleibt jedoch fern. Eher lässt es dem weniger informierten Leser den Gedanken festigen, dass die Chinesen und Russen nichts gegen die Probleme der Welt tun können/wollen bzw. dass nur sie an den Miseren der Welt schuld sind (siehe oben genannten Link bspw.). Die Medien bauschen die Meldungen, so wie immer, natürlich auf, so dass es einem suggeriert, dass es ne krasse Sache sei, aber in Wirklichkeit ist es mal wieder eine Randmeldung, welche tatsächliche Probleme in den Hintergrund stellt.
Chronologisch gesehen fing es mit Sarazzin an (nicht, dass es vor Sarazzin anders gewesen wäre), Stuttgart 21, Ahmadinedjad etc pp, aber dies nur Nebenbei.
Es stellt sich die Frage, wieso Wikileaks die Publikation nicht vor dem Nato Treffen vor zwei Wochen getätigt hat, was politisch gesehen viel sinnvoller gewesen wäre. Im Endeffekt sind die Depeschen nun auch keine Informationen, welche politisch Interessierten neu sind. Es ist lediglich eine Bestätigung der vorherrschenden Gedanken und die Ankündigung, dass die Leaks die Welt verändern würde, hatte eher Marketing Charakteristika.
Persönlich gesehen, hatte ich mehr die Hoffnung, dass die kriegerischen Taten der USA samt Verbündeten und die Israels in erster Linie dokumentiert werden. Leider ging diese Hoffnung u.a. mit Netanyahus Statement in der Haaretz unter.
Es bleibt daher abzuwarten, in wie weit die Ankündigung Assanges wahrheitsgemäß sein wird, dass die kommende Veröffentlichung über eine große US Bank, diese in den Ruin stürzen könnte.
Dabei stellt sich mir wiederum die Frage, ob damit nicht z.B. JP Morgan in die Hände gespielt wird, um so einen weiteren Konkurrenten beiseite zuschieben. JP Morgan Chase ist nebenbei die Bank, welche die Wall Street „verwaltet“.
Wenn Wikileaks wirklich so viele Informationen über Konzerne aus den wichtigen Brangen (z.B. Finanz, Pharma und Energie) verfügt, wieso bearbeiten sie dann erst so nebensächliches Zeugs? Ich würde lieber bescheid wissen, wer genau seine Finger im Spiel hatte, als die Schweinegrippe Lüge über die Medien hinwegfegte und wer genau die Krise zu verantworten hat. Wer, neben der Deutschen Bank und J.P. Morgan ist noch Schuld an der Pleite der PIIGS Staaten?

Das wären Antworten, welche die Geschichte verändern würden – aber nicht sowas.

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